Racoon

von der schwarzen Nister

  • ...wie fing alles an.
  • Als ich meinen jetzigen Mann Thomas kennenlernte, hatte ich einen Schäferhund, der mir leider kurz vor der SchH3 krank wurde und somit für den Sport nicht mehr geeignet war. Thomas selbst kam von den Dobermännern und brachte 2 davon mit in unsere Beziehung.
  • Wir stellten fest, dass wir zwar gerne aktiven Hundesport machen wollten, aber nicht die geeigneten Hunde hatten. Wir sammelten so viele Informationen über Blutlinien wie wir nur konnten und kamen zu dem Ergebnis, eine “Fero freie Linie“ zu suchen, da die “Fero-Linie“ zu überlaufen ist. Wir durchsuchten das Internet und stöberten alle Zeitschriften nach Anzeigen durch. Als dann die Anzeige  - von der schwarzen Nister – Welpen aus Top-Leistungszucht.
  • Vater: Drago von Mainos Mutter: Gina von der schwarzen Nister
  • kam, war diese Verbindung für uns sehr interessant.
  • Dragos Schwester, Daisy von Mainos, stand zu dieser Zeit in unserer OG. Sie war eine Hündin mit hoher Arbeitsbereitschaft und noch höherem Aggressionspotential. Wir fanden dann noch heraus, dass Andreas Jung schon seit vielen Jahren gute Gebrauchshunde züchtet und somit war für uns klar, dass es aus diesem Wurf ein Hund sein sollte.
  • Wir sollten in der 6.Lebenswoche zwischen zwei Rüden aussuchen und alles nahm seinen Lauf.
  • ...wie haben wir Racoon ausgesucht.
  • Nach ca. 6 Stunden Autofahrt sind wir endlich angekommen und uns wurden die 2 Rüden, unter denen wir wählen durften, aus dem Welpenauslauf gefischt. So saßen sie nun vor uns und der Rest der Rasselbande hinter uns. Andreas Jung, der Züchter, ließ uns erst einmal mit den beiden Welpen alleine. Thomas, der ja nur Dobiwelpen kannte, war vorher schon geimpft worden – Schäferhundwelpen kannst du nicht mit Dobiwelpen vergleichen !
  • Naja, einer von den Kleinen saß oder lag viel bei mir, der andere etwas weiter weg. Der Züchter sagte vorher, dass sie gerade gegessen hatten. Na toll, nach langem Überlegen meinte Thomas, wenn schon einen von diesen Welpen, dann nimm den, der bewegt sich wenigstens ein bisschen. Gesagt getan, wir hatten uns entschieden.
  • Andreas markierte den Kleinen und ich fragte ihn ob ich mich noch ein Weilchen mit zu allen Welpen in den Auslauf setzen könnte.
  • Ich beobachtete die Rasselbande und wollte gerade auch nach draußen gehen, als sich 2 Welpen in die Haare bekamen. Der Rüde, für den wir uns NICHT entschieden hatten, saß in seiner Ecke und beobachtete auch. Auf einmal stand er auf, machte sich groß, stolzierte zu den Streihähnen, ging dazwischen, machte wilde Geräusche und beendete die Streiterei. Dann setzte er sich wieder in seine Ecke. Ich lief raus zu Andreas und Thomas und fragte, ob ich mich noch einmal umentscheiden könnte.
  • So bin ich dann doch noch an Racoon gekommen.
  • Liebe Grüße an dieser Stelle an Andreas Jung
  • ...Racoon als Welpe.
  • Als little Racoon zu uns stieß, war die Freude groß. Ein Welpi war da. Bei mir fing sofort das Brutpflegeverhalten an und alles war gut.
  • Naja, er hatte nicht viel Interesse an Beute und war auch kaum für ein Spielchen zu motivieren. Wir hofften, mit etwas Geduld und gezielter Triebförderung wird es schon klappen – und gute Nerven sind ja auch schon was. Als im Alter von ca. 4 Monaten selbst flüchtende Enten am Teich, tieffliegende Spatzen und Wallnüsse, die auf den Fliesenfußboden fielen nur ein müdes Gähnen bei Racoon hervorriefen, wollte ich fast aufgeben !
  •  -         „wie soll ich diesem Tier denn Fußgehen beibringen ???“    -
  • Ich hatte das Wort „Spätentwickler“ schon oft gehört und meine Hoffnung war, daß dieses für ihn zutraf. Mein Mann machte mir immer wieder Mut und bei der kleinsten Triebsteigerung meinte er:  „ Der kommt, warte ab !“
  • So hat das Wort „Spätentwickler“ für mich eine völlig neue Bedeutung bekommen. Denn...wie von Geisterhand, als wenn jemand einen Schalter umgelegt hätte: Der Trieb kam mit riesigen Schritten.
  • Seine Arbeitsfreude und sein Fordern nahm immer mehr Formen an. Mit seinen starken Nerven, die sich in seiner Jugend schon abgezeichnet hatten und dem mittlerweile sehr hohem Triebverhalten ist er zwar nicht einfach zu führen, aber es macht riesigen Spaß. Es ist ein Balanceakt zwischen seinem enormen Trieb und notwendiger Technik, der immer wieder schwierig ist, um in der Unterordnung Perfektion zu erreichen.
  • ...wann haben wir mit Racoon angefangen zu Arbeiten.
  • Wir haben schon sehr früh angefangen, das heißt mit 10 Wochen. Wir sind der Meinung, der Spruch „...was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr!“ trifft auch in der Hundeausbildung zu. Sicherlich muss man seinen Hund beobachten und es von seiner Entwicklung abhängig machen. Jeder Hund ist da auch anders und man will natürlich nicht überfordern. Man muss seinen Hund gut lesen können und die Übungseinheiten der Tagesform und dem Alter anpassen.
  • ... Racoon allgemein als Arbeitshund.
  • Racoon ist ein Kraftvoller spritziger Rüde, der nicht immer einfach zu führen ist. Viele behaupten zwar etwas anderes, weil sie immer nur die Endresultate sehen, aber es hat schon viel Energie und Durchsetzungsvermögen gekostet.
  • Er ist ein Typ, der schnell lernt und bei dem sich das Erlernte sehr schnell verfestigt. Dies gilt leider auch für Fehler, die wir in der Ausbildung gemacht haben. So wurde seine Ausbildung dann nie langweilig.
  • Racoon ist für mich der optimale Sporthund. Er ist in allen 3 Sparten stark, will unermüdlich arbeiten und ist absolut klar im Kopf. Er kann zum Beispiel im Schutzdienst aus der Ruhe in die hohe Aggression umschalten und ebenso nach dem Schutzdienst wieder zurück. Er ist dann wieder ein ruhiger, ausgeglichener, nervenstarker Familienhund. Das ist mir nicht unwichtig, denn wir haben einen Sohn, geb. Jan. 2005 und eine Tochter, geb. Mai 2007.
  • Racoon lässt sich gut über die Beute motivieren, ist aber kein Spieler. Er möchte Beute machen, sie dann aber sichern. Die bei der Arbeit notwendigerweise gesetzten Zwänge kann er gut umsetzen und er arbeitet sich trieblich alleine wieder frei.
  • Zusammenfassend kann man sagen, das Racoon ein Hund mit sehr guten Nerven, einer außergewöhnlichen Härte und Belastbarkeit mit trotzdem sehr hohem Triebverhalten ist.
  • Ich glaube das ist eine Kombination die es nicht sooft gibt.
  • Das für mich Wichtigste ist jedoch, dass Racoon aus einem klasse Gangwerk und Rücken heraus enorm beweglich ist. Er kann aus vollem Lauf auf der Stelle drehen und auf der Jagd nach seinem geliebten Ball die abenteuerlichsten Figuren in der Luft hinzaubern.
  • Wir haben Racoon anfangs sehr technisch gearbeitet und seine Aggressionsbereiche bewusst sehr niedrig gehalten, damit der Hund für mich noch gut führbar bleibt. Seit etwa 1 Jahr (er ist jetzt 5 Jahre) entwickeln sich diese Bereiche aber immer mehr und es gibt auch schon die ersten Dominanzprobleme zwischen uns.
  • ...Racoon in der Fährte.
  • Die Fährte ist für uns Drei die Sparte, die uns am wenigsten Spaß bringt. Thomas und ich hatten hier die wenigsten Erfahrungen und da es auch sehr schwer ist geeignetes Gelände zu finden, wo man rauf darf, haben wir anfangs das ganze ein wenig stiefmütterlich behandelt. Grundsätzlich haben wir Racoon nach der Methode von Gottfried Dildei aufgebaut. Die ersten zwei Jahre kamen wir damit ganz gut zurecht, dann fehlte es aber an der notwendigen Ernsthaftigkeit. Racoon hat zwar eine sehr gute Nasenveranlagung und will auch suchen, auf der anderen Seite fehlt es ihm aber oft an dem nötigen Respekt mir gegenüber. So war in den ersten Jahren die Leistung auf der Fährte schwankend, aber inzwischen hat er begriffen, dass er auch suchen muss, wenn ich alleine mit ihm im Gelände bin. Mittlerweile ist Racoon ein recht stabiler Sucher geworden.
  • ...Racoon in der Unterordnung.
  • Da es äußerst schwierig ist, Sportler zu finden, die einem in der Unterordnung helfen können oder wollen, besuchten wir ein Seminar mit Bart Bellon. Da war Racoon 4 Monate alt. Mir hat das Konzept sehr gut gefallen, denn es ist einfach und für mich logisch aufgebaut. Wir hatten also für uns unseren Weg gefunden und haben Racoon grundsätzlich nach der „Kontakt- Methode“ von Bart Bellon, kombiniert mit einigen eigenen Ideen ausgebildet.
  • Als in Hassleben in Thüringen ein Wochenseminar mit Bart angeboten wurde, hatten wir uns gleich angemeldet.
  • Das größte Problem hatten wir mit Racoon beim Apportieren, Barts Methode passte bei ihm gar nicht. Auf dem Wochenseminar haben wir einen eigenen Weg erarbeitet. Es ist eine Kombination aus Bart Bellon, Jenny Seefeld, die uns ihr Apportieren mit Drechsler gezeigt hatte, und ein paar Ideen meines Mannes. Ich glaube wir haben es ganz gut hinbekommen und heute zeigt Racoon eine trieb- und druckvolle Apportierleistung. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt dennoch: Racoon ist ein Hund, der während einer Prüfung trieblich nicht abbaut, sondern sich immer mehr steigert. Bei der Meterhürde kommt dann manchmal das dicke Ende. Wenn ich, wie bei der BSP, das Holz über die Hürde zweimal werfen muss ist das Streifen schon vorprogrammiert.
  • Es besteht eine Harmonie zwischen mir und Racoon in der Unterordnung, die mir richtig Freude macht. Ohne meinen Mann wäre das aber alles gar nicht möglich gewesen. Er ist ein sehr konsequenter Trainer, der viel Wert auf das Gesamtbild legt. Er ist ein Perfektionist mit einem sehr gutem Blick für das Wesentliche. Er kann nicht nur die Fehler erkennen, sondern weiß meistens auch einen Lösungsweg.
  • ...Racoon im Schutzdienst.
  • Nachdem wir Racoon ein paar Wochen beobachtet hatten, machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Helfer. Er sollte zu unserem Hund passen, denn wir sind der Meinung, dass jeder Helfer seine Besonderheiten und Stärken hat, die aber nicht zu jedem Typ Hund passen. Wir glauben, dass es nur wenig Helfer gibt die sich jedem Hund anpassen können.
  • Nach langem Suchen fanden wir in Dirk Stocks den optimalen Helfer. Dirk macht eine Ausbildung die sehr technisch und zielgerichtet ist, ohne den oft üblichen Firlefanz.
  • Er hat das wichtige Fundament gegründet von dem wir noch heute zehren. Wir haben bis zur SchH2 mit Dirk gearbeitet.
  • Dirk Stocks arbeitet mit seinem eigenem Hund sehr viel und das meist außerhalb der üblichen Übungszeiten. Leider konnten wir uns seinen Zeiten nur selten anpassen, da Thomas und ich voll berufstätig sind. Wir mussten uns also nach einem neuen Helfer umsehen.
  • Vielen Dank an dieser Stelle an Dirk, der uns auch heute noch mit Rat und Tat zur Seite steht.
  • Wir  lernten Heinz Sontowski aus der Ortsgruppe Heikendorf kennen. Er hat Racoon in der Zusammenarbeit mit Thomas gearbeitet. Die Beiden haben sich sehr gut ergänzt und das Endresultat kann man heute ja sehen.
  • Heinz hat Racoon gezeigt, dass der Schutzdienst eine geile Sache ist. Wir möchten uns auf diesem Weg auch bei Heinz Sontowski recht herzlich bedanken.
  • ...was hat Racoon bis jetzt erreicht.
  • Bundes-FCI 2005 in Walkenried - bundeshöchsten Schutzdienst.
  • Bundes-FCI 2006 in Lohsa - Vizesieger - bundeshöchste Unterordnung
  • VDH DM IPO 2006 in Eibenstock
  • SV-Bundessiegerprüfung 2006 in Bochum
  • Bundes-FCI 2008 in Husum - Vizesieger
  • VDH DM IPO 2008 in Haren/Ems
  • SV-Bundessiegerprüfung 2008 in Baunatal
  • ...worauf beruht unserer Erfolg.
  • Wir haben immer versucht unseren Weg zu gehen. Auch sind wir für jede Anregung dankbar, und ich glaube, wenn man in einem Team arbeitet, werden viele Ideen gemeinsam erarbeitet. Aber wie heißt es so schön, viele Köche verderben den Brei. Irgend jemand muss das ganze zusammenfügen und steuern, und das ist in unserem Fall mein Mann. Sicher gibt es verschiedene Methoden um ans Ziel zu kommen, aber nicht alle passen zu einem. Ich glaube man muss einen Ausbildungsweg finden, der zu einem passt, und sich dann durchsetzen, diesen Weg auch zu gehen. Es nützt mir nichts, wenn ich immer nur das übe, was mein Hund kann, damit es immer gut aussieht.
  • Auch wenn Andere an der Kante stehen, lachen und blöde Sprüche bringen
  • –  gehe Deinen Weg -